Über mich

Im Jahr 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl eine Explosion des Reaktorgehäuses. Außerdem ließ sich Altbundeskanzler Helmut Schmidt für die Ahnengalerie porträtieren, Prinz Andrew gab Sarah Ferguson in Westminster Abbey das Ja-Wort und Peter Maffay sang in Rostock das erste Mal auf dem Boden der Deutschen Demokratischen Republik.

Zu dieser Zeit hielt ich es für eine gute Idee, auf die Welt zu kommen. Das war in Berlin-Lichtenberg. Mittlerweile steht der Gau von Tschernobyl in den Geschichtsbüchern, Helmut Schmidt ist tot und Andrew und Sarah schon längst geschieden. Nur Peter Maffay, der singt noch, wenn auch nicht mehr in der DDR.

Bis zum Jahr 2017* ist also sehr viel Zeit vergangen. Und während die Welt immer digitaler, veganer und vollwertiger wurde, ging ich zur Schule, machte mein Abitur und danach eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Lange hielt ich mich zwischen staubigen Bücherregalen und in verrauchten Bars auf, bis ich entschied, dass ich vielleicht mal woanders hin sollte. Ich zog nach London. Dort verbrachte ich ein Jahr und genoss das Leben so leichtfüßig und erfüllend, wie es mir passierte.

Zurück in Berlin beschloss ich ein Studium aufzunehmen. An der Freien Universität studierte ich Literaturwissenschaften und Publizistik. Nebenbei fing ich an Rezensionen zu schreiben, Interviews zu führen und der Welt von mir zu erzählen. Letzteres bereitet mir deswegen Freude, weil eigentlich keiner danach gefragt hat. Ein Typ auf einer Party wollte mal von mir wissen, warum ich denn überhaupt schreiben möchte, als ich betrunken genug war, ihm von meinem Romanmanuskript zu erzählen. Ich antwortete ihm: Junge, ich möchte nicht schreiben, ich muss.

Vor einem Jahr ging ich mit dieser Überzeugung in die Blogfabrik. Hier sitze ich jetzt genau in diesem Moment, starre alle zwei Minuten aus dem Fenster und beende diesen Satz. Die meisten Leute würden glauben, dass Schreiben eine recht langweilige Angelegenheit ist. Und hier fängt mein Schriftstellersein erst so richtig an: Ich glaube nicht, dass ich wie die meisten Leute bin.


*Es ist nicht davon auszugehen, dass ich jemals diese Über-Mich-Spalte aktualisieren werde. Solltest du das lesen und es ist bereits 2021, kannst du davon ausgehen, dass einfach noch mehr Zeit vergangen ist. (Zehn Euro, dass Maffay immer noch singt.)